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Interview zu "Home Again" (Vö 2005) mit Jimmy Somerville exklusive für die International Fanpage !            
 

"Home Again" ist der Name des neuen Albums. Warum dieser Name und was bedeutet er ?

 

Hm, es dreht sich mehr um die Texte, letztendlich sind es die Texte, die sagen, es ist egal wo du bist, was mit dir passiert und was du tust. Es gibt ein Sprichwort bei uns: zu Hause ist, wo das Herz ist – und für mich persönlich bedeutet es das wirklich – es spielt keine Rolle, wo du lebst, in was für einem Haus, es geht mehr um die Menschen, die du kennst, die du liebst und die dich lieben, also glaube ich, das ist zu Hause, darum geht es gefühlsmäßig.

Das neue Album vermittelt eher eine Art "Club-Mix-Gefühl", du hast mit einer Menge internationaler DJ's und Produzenten zusammengearbeitet. Versuchst du, dir mit diesem Album neue Fans zu erarbeiten und was glaubst du, werden die älteren Fans dazu sagen ?

 

In dieser Richtung denke ich nie. Es scheint einfach so zu passieren aber ich glaube, interessant an diesem Album sind einfach die Leute, mit denen ich gearbeitet habe. Insbesondere beim Rolf Elmar Track "Selfish Days".  Das heißt, dass die Sachen, die ich danach machen werde, völlig anders sein werden. Während wir an "Selfish Days" gearbeitet haben, ist uns klar geworden, dass wir tatsächlich  zusammen etwas schreiben können, das ganz anders ist, kein Club.
Dann noch John Winfield, ein Freund von mir, wir arbeiten gerade an sehr blues- und jazz-. orientierter Musik, es könnten also ganz andere, neue Projekte am Horizont auftauchen. Der Prozess des Albums schien einfach so zu passieren, der Sound, das Gefühl davon. Ich habe eine Menge DJ's und Produzenten kennen gelernt. Ich weiß, dass sich das nächste Album ganz anders anhören wird.

In den meisten Songs des Albums geht es um Liebe – sie entweder zu finden oder zu verlieren. Warum ? Wenn man es mit dem letzten Album vergleich,t gab es da eine Menge Songs, die alle möglichen Geschichten erzählt haben. Das Thema Liebe scheint auf dem neuen Album wesentlich präsenter zu sein, ist es autobiographisch ?

 

Es sind Lovesongs, irgendwie. Und auch wieder nicht, jedenfalls keine persönlichen, nicht wirklich. Das ist ein bisschen schwer zu erklären. Es sind nicht wirklich Songs über mich – bis auf ein, zwei Ausnahmen, die in der Tat sehr persönlich sind. "It's So Good" beispielsweise, der ist persönlich, aber in den anderen geht es mehr um Liebesphantasien. Ein weiterer, sehr persönlicher Song ist der Anti-Kriegs Song "What's Your Game". Ich glaube, augenblicklich sind die Zeiten weltweit sehr schwer. Wir leben in unsicheren und beängstigenden Zeiten, ich wollte die Liebeslieder als ein Art Zuflucht nutzen und speziell für schwule Männer, wie ich ja auch einer bin, ist es gut etwas zu haben, das von einem andern Standpunkt her betrachtet wird. Die Songs kommen von einem Mann, der einen anderen Mann liebt und es würde mich freuen, wenn diese Lieder den Männern, die sie sich anhören, etwas geben.
Ich fühle wirklich, in welch unsicheren Zeiten wir leben und manchmal ist Liebe die einzige Sache, die dich durch alle Probleme hindurch sieht. Der letzte Song auf dem Album, "Stay", ist ein Lovesong aber es geht mehr um Leidenschaft und Freundschaft und ich vermute, auch das ist Liebe. Ich denke, sie erscheinen alle als persönliche Liebeslieder, aber das sind sie nicht. Es geht mir mehr darum, die Liebe den Menschen gegenüber auszudrücken, denen du nah bist und die du an deiner Seite brauchst, das ist heutzutage wirklich wichtig.

Warum hat sich das Erscheinen des Albums in Deutschland verzögert ?

 

Ach, das ist wirklich langweilig und der übliche Plattenfirmenkram – Plattenfirmenpolitik – und letztendlich nervt es, das zu erklären, eben weil es so langweilig ist.
Am Ende hatte ich einen Vertrag und wie sehr ich dieses Album auch machen wollte, und auf welche Art ich es machen wollte, es mussten Kompromisse eingegangen werden und manchmal laufen Dinge einfach nicht nach Plan, das ist der Grund.

Wird es eine "Home Again"- Tour in Deutschland  geben ?

 

Ich hoffe es -  und dann wird es keine reine "Home Again"-Tour werden, sondern eine Zusammenstellung aller Dinge, die ich jemals mit einer Band gemacht habe. Es ist großartig, dass ich genügend Material aus der Vergangenheit habe, um ein 2 h Tour-Set zu ermöglichen, ohne dass man einfach nur die Songs nimmt, die einmal Single waren. Es gibt auch Lieder, die meine Geschichte von Anfang an repräsentieren. Ich habe noch nie Sachen wie "Screaming" oder so live gespielt. Aber ich spiele lieber solche Sachen als "Small Town Boy". Da nehme ich doch lieber andere Tracks von den frühen Alben, damit die Leute sehen, wie unterschiedlich diese Alben waren. Auf den Communards-Alben gab es ziemlich viel Pop und Disco aber auch eine Menge Blues und Jazz wie z.B. "Lover Man " und "Tumbling Down" – die Art Songs. Es gibt wirklich unglaublich viele unterschiedliche Sachen auf den Alben.

Warum hast du Depeche Mode gecovert und was verbindet dich mit dem Song "But Not Tonight" ?

 

Es ist mehr der Melodie wegen. Klasse Song, war einer ihrer B-Seiten, keine Single, also keiner der eher offensichtlichen Songs, die man covert. Und der Text ist großartig. Ein sehr leidenschaftlicher Lovesong. Es geht auch darum, wie zerbrechlich und verletzbar man ist, wenn man liebt und als er diesen Song geschrieben hat (M.L.G, sollte man dazu sagen – die Übers. ) schien er im lyrischen Sinne mit den Elementen in Verbindung zu sein. Er ist draußen, es geht um Mond und Sterne und all die Dinge dort draußen, an die er sich wirklich wendet – ein sehr romantischer Song.

Im Song "Amnesia" beschreibst du eine Beziehung, in der du langsam vergiftet wirst – ist das autobiographisch ?

 

Es ist schon lustig, denn es geht um die längste Beziehung, die ich jemals hatte. Eine Beziehung, die mein ganzes Leben andauerte, also wirklich die stärkste und wahrscheinlich beständigste und mächtigste  Beziehung meines ganzen Lebens – und die hatte ich zum Wodka !! In dem ganzen Song geht es nur um Wodka ! Wirklich ! Ein Song über Wodka !!

Für welchen Song des Albums hast du am längsten gebraucht ?

 

Schwer zu sagen, weil ich in England lebe und die Leute, mit denen ich gearbeitet habe in ganz anderen Orten in Europa. Alle Songs haben eine Weile gebraucht, weil wir einander einzelne Teile geschickt haben, sie uns angehört haben und dann wieder zurückgeschickt haben. Ich musste oft nach Deutschland, um aufzunehmen, dann zurück nach London und dann wieder nach Deutschland, um zu mixen. Alle Songs haben also die gleiche Zeit gebraucht. Es war ein langer Prozess wegen der Entfernungen,  Aber im Einzelnen hat kein Song länger gedauert als die anderen.

Gibt es einen Song auf dem Album, den Du mehr magst als die anderen ?

 

"Stay" ist der Song, den ich mehr als alle anderen mag. Ein sehr keltisch klingender Song, wie ich finde. Er klingt sehr gälisch, keltisch, schottisch – ein ganz einfaches Lied aber trotzdem sehr leidenschaftlich. Und noch mal, es geht nicht um mich, nicht ich spreche etwas dermaßen persönliches aus. Es geht nur darum, etwas erlebt zu haben und die Zuhörer erleben es oder werden es noch erleben. Es ist ein großartiger Song um die Energie und die Gefühle, die man hat, wenn man wirklich liebt, zu übermitteln, weil es ein so unglaubliches Gefühl ist.

Du magst den Disco-Pop der 70er. Hast du deshalb"Ain't No Mountain High Enough" gecovert ?

 

Nicht wirklich. Es hat mehr mit den heutigen Zeiten zu tun. Ich erinnerte mich an den Song aus Zeiten, in denen ich jünger war. Die meisten Leute kennen die Version von Diana Ross, ich habe aber die Version gecovert, die von Ashford & Simpson geschrieben wurde und die nicht so viele kennen. Der Text ist auch anders. Ein sehr positiver Text der Ermutigung, der Kraft gibt. Es geht mehr um unser heutiges Leben, die Zeiten, in denen wir leben, die Ängste wie z.B. Terrorismus, Regierungen, die reaktionärer werden. Das Leben jedes Einzelnen scheint paranoid zu sein, also wollte ich diesen Song machen, weil ich den Gedanken mag, dass, wenn man Freunde hat und Menschen, die man wirklich liebt, was auch immer auf dich zukommt, diese Freundschaften dir Mut geben, weiter zu machen – kein Berg ist hoch genug, kein Tal tief genug usw. – für mich und eine Menge anderer Leute ist Liebe eine wichtige Sache, so empfinde ich es.

"Come On" lief nicht so gut in Deutschland. Das schien weniger etwas mit dem Song an sich zu tun zu haben, als vielmehr mit der Promotion, oder besser, mit dem Mangel an Promotion.

 

Das ist schon komisch, weil die Radiostationen gesagt haben, dass dieser Song nicht das war, was die Leute hören wollten, es war nicht das, woran sie gewöhnt waren, wenn sie an meine Stimme dachten, er war zu progressiv und nicht wirklich das, was die Leute hören wollten. Komplizierte Sache. Leute beim Radio haben eine bestimmte Vorstellung davon, wie jemand klingen sollte. Wenn sie es mögen, spielen sie es, wenn nicht, haben sie kein Interesse. Es sollte den Hörern überlassen sein, sie sollten entscheiden, ob es zu progressiv ist oder was auch immer. Es sollte gespielt werden, aber das ist eine schwierige Sache.
(redakt. Anmerkung: It's so Good , Come on & Ain't no mountain (high enough) liefen mit Top 10 Platzierungen in den Dance- und Hörercharts)

Also hing es mehr von den Leuten bei den Radiosendern ab und weniger von den PR-Leuten der Plattenfirmen ? Warst du zufrieden mit der Promotion ?

 

Nein, war ich nicht, denn es gab kein Video zur Single. Das ist furchtbar. Wenn du kein Video hast, kannst du nicht auf MTV oder VIVA gespielt werden und dann bekommst du keine Publicity.

Was denkst Du über deine Plattenfirma, die kein Video machen wollte ?

 

Ich denke, für die ist es eine Art Spiel, bei dem sie natürlich kein Geld verlieren wollen. Wir werden sehen, was bei der nächsten Single passiert.

In Deutschland werden mehr CDs runtergeladen und gebrannt als verkauft. Was hältst du von dieser Richtung des Musikbusiness ?

 

Also, ich denke, das ist eine Übergangsperiode und solange es bespielbare CDs gibt, werden die Leute das auch machen, wie sie es mit Kassetten, Mini-Discs usw. gewöhnt waren. Das ist ja nichts Neues. Nur dass jetzt auch Downloads aus dem Internet angeboten werden.
Es ist offensichtlich eine Übergangsperiode und die Plattenfirmen müssen erkennen, dass sich die Zeiten ändern. Am deutlichsten kann man das bei uns an "Top Of The Pops" erkennen, einer sehr beliebten Musiksendung, die immer zur Prime-Time auf BBC1 lief. Sie ist jetzt umgezogen auf BBC2 um 18.30 h am Samstag, weil sie nicht mehr den Einfluss hat. Immer mehr Leute hören Musik im Internet und holen sich ihre Musik dort her. Ich kenne die Antwort nicht und weiß auch nicht, wie man damit umgehen soll.

Zurück zum Album. Du hast viel mit Felix Gauder gearbeitet. Könntest du dir vorstellen, zukünftig wieder mit ihm zu arbeiten, vielleicht sogar eine ganze Platte zu machen ?

  Ja, natürlich. Ich habe noch einige Songs, die ich mit Felix gemacht habe und die sich von denen, die auf dem Album sind, unterscheiden. Sie sind instrumental und ich werde weiter an ihnen arbeiten, es sind ganz andere Sachen, als auf dem Album sind. Ich mag die Arbeit mit Felix wirklich, es ist cool !

Im Booklet schreibst du: Gott sei Dank bin ich Atheist ! Warum das ?

 

Das war nur Spaß und ich bin Atheist -  gleichzeitig aber auch nicht. Das würde bedeuten, ich glaube nicht an Gott, aber ich akzeptiere ihn. Ich toleriere keinerlei Religion, besonders keine etablierte wie das Christentum. Ich habe das geschrieben, weil momentan jeder (Künstler) Gott für den Erfolg dankt. Sie sagen, wenn Gott nicht wäre, hätte ich nicht diese wundervolle Stimme. Früher haben das nur schwarze Künstler getan aber heute tun es die weißen auch. Ich habe kürzlich ein Interview mit Mary G. Blige gelesen. Jemand fragte sie nach ihren Schönheitstipps und sie sagte: "Mein Schönheitstipp ist Jesus." Ich hab mich gefragt, was zum Teufel sie da macht, sich Jesus übers Gesicht rubbeln ? Das fasst man nicht! Mit dem "Thank God I'm an Atheist" wollte ich mir nur einen Spaß mit diesem Gott-danken Ding machen.

Ein ehemaliger Bandkollege von dir, Richard Coles (Communards) will Priester werden. Wie denkst du darüber ?

  Ja, er hat gerade seinen Theologieabschluss gemacht und wird Römisch-Katholischer Priester. Dort ist er in seinem Leben angekommen und wenn es das ist, was er tun will, dann sollte er das auch tun. Es ist schon bizarr und merkwürdig und wenn ich darüber nachdenke, muss ich lachen.

Bei diesem Album hast du mit verschiedenen Produzenten zusammen gearbeitet. "Manage The Damage" oder "Dare To Love" – was war anders an der Arbeit dieses Mal ?

 

Tja, es ist schon eine großartige Sache mit all diesen Kollaborationen. Es endet nicht so persönlich, aber das ist mir auch nicht so wichtig. Ich habe keine Angst, wenn ungewollte Dinge mit dem Album passieren, weil es keine selbstbeobachtende Platte ist. Es geht nicht unbedingt um mich. Die Lieder handeln davon, wie ich denke und fühle, sind aber nicht zu persönlich, besonders die Lovesongs nicht. Es sind eben keine Liebeslieder über mich. Das ist schon gut, wie auch das ganze Projekt eine ziemlich gute Erfahrung war. Ich weiß wirklich nicht, ob ich so was noch mal machen würde. Vielleicht, ich bin nicht sicher, hängt davon ab.
Es war deshalb eine gute Erfahrung, weil ich so etwas noch nie zuvor gemacht habe.

Kannst du dich noch mit dem Album identifizieren?

 

Natürlich, letztendlich sind es meine Texte und meine Stimme. Ich habe Sachen gesungen, die in meinem Kopf waren. Zwei oder drei Songs stammen von anderen aber die meisten Texte sind von mir. Ich habe kein Problem damit, einfach zu singen und selber das Instrument zu sein. Es tut gut, nicht dieser gequälte Künstler zu sein, bei dem alles aus dem Inneren kommen muss. Es ist auch gut, einfach Songs zu singen, die der Vorstellung von jemand anderem entsprungen sind. Das ist cool.

Jake Shear von den "Scissor Sisters" hat mal in einem Interview gesagt: "Gott schütze Jimmy Somerville weil er mir durch mein Coming Out geholfen hat."
Würdest Du sagen, dass deine Musik noch immer junge schwule Männer beeinflusst ?

 

Zum einen wusste ich nicht, dass er das gesagt hat. Zum anderen, wenn sie meine Musik hören, kann sie von Einfluss sein. Songs wie "Small Town Boy", "Why" und "Screaming" verbinden Menschen, die mit ihrer Sexualität hadern. Diese Lieder sind sehr speziell und sehr ehrlich und sie drehen sich genau um diese Gefühle. Ich glaube, dass sie helfen. Ich bekomme noch immer Briefe von Menschen und Mails oder Nachrichten auf meine Website von Leuten, die noch heute von den Songs inspiriert werden. Leute kommunizieren sogar auf der Website miteinander. "Age Of Consent" ist ein solch altes Album, aber es gibt den Leuten immer noch etwas.

Die Songs auf dem neuen Album sind "Mann-liebt-Mann" Songs, aber nicht so offensichtlich ?

 

Ich denke nicht mehr so radikal in meinen Songs, weil meine Sexualität ein Teil meines täglichen Lebens ist, zu sein, wie ich bin. Ich denke nicht mehr darüber nach. Es ist wie Zähne putzen. Teil meiner täglichen Routine, also denke ich nicht wirklich darüber nach. Ich bin kein junger Mann mehr, der mit seiner Sexualität hadert, sie ist einfach ein Teil meines gesamten Lebens.

Du bist nach Brighton gezogen und das ist die schwule Hauptstadt Großbritanniens.

  Das ist ein echter Mythos. Er ist verbreitet worden und das ziemlich gut. In Wirklichkeit ist es ein Ort, an den alte Schwule zum Sterben gehen.

Du hast mal gesagt, du willst dich nicht mit zu vielen Schwulen umgeben und jetzt bist du dorthin gezogen. Hast du deine Meinung geändert ?

 

Es ist keine große Stadt. Es gibt eine kleine schwule Szene und einen kleinen schwulen Bezirk, aber dort lebe ich nicht. Ich bewege mich nicht allzu oft in der schwulen Szene und das habe ich in London auch nicht getan. Ich gehe nicht so oft aus, Brighton ist eine kleine Stadt und schwule Männer fallen dort mehr auf. Ich bin kein Teil eines Ghettos oder einer Gemeinde. Ich bin gern am Meer und weg von London.

Vermisst du London ?

 

Nein, denn ich habe dort immer noch eine Wohnung und auch Dinge zu tun. Ich werde immer diese Verbindung zu London haben und hin und her pendeln. London ist Teil meines Wesens, London hat mich geschaffen, es ist ein sehr großer Bestandteil meines Lebens und wird es immer sein.

Wie schreibt Jimmy Sommerville einen Song? Kommt zuerst der Text oder zuerst die Musik? Wie machst du das ?

 

Es kann beides sein. Beispielsweise "Selfish Day", ein Track den ich mit Rolf Elmer von "Jam & Spoon" geschrieben habe. Dieser Mann kommt vom Hardcore Techno/Dance aber mit ihm habe ich den sanftesten und klassischsten Titel auf dem Album aufgenommen, ein Song, der sehr an die "Communards" erinnert, ein Titel, den ich auch mit Richard aufgenommen haben könnte. Ein sehr klassischer Einfluss, sehr sanft und balladesk. Von Rolf hatte ich etwas völlig anderes erwartet. Das ist also ein Beispiel dafür, dass der Prozess des songwriting irgendwo enden kann.

Ist "Selfish Day" ein politischer Song ?

 

Das Lied wurde von meiner Beobachtung der Gesellschaft im Allgemeinen beeinflusst und davon, was ich in den Zeitungen lese. "Selfish Day" ist ein Lied über einen Mann und eine Frau – sie waren Teil der Gesellschaft und führten ein bequemes, luxuriöses Leben. Dann passiert plötzlich etwas mit ihnen. Sie sind nicht länger die, die sie waren und befinden sich auf einmal in einer sehr verletzlichen Situation und in einer Situation, in der sich niemand mehr darum kümmert, was mit ihnen passiert. Das macht mich wütend, denn ich sehe, dass so was überall passiert, mehr und mehr. Ich denke, das ist eine der kriminellsten Handlungsweisen, der wir uns schuldig machen können. Vor allem für unsere Jugend, dieses Gefühl der Verletzbarkeit, das Gefühl innerhalb der Gesellschaft zu verschwinden. Sie leben auf der Straße, ohne Arbeit, ohne Geld, ohne zu Hause und plötzlich ist ihr Leben zu Ende, bevor es angefangen hat.
Ein anderer Song, "What's Your Game", ist durch und durch ein Anti-Kriegs Lied. Und an unseren Premierminister Tony Blair gerichtet. Ein großer Prozentsatz unserer Bevölkerung glaubt, dass man uns über die Gründe, in den Krieg zu ziehen, angelogen hat. Man hat uns von Massenvernichtungswaffen erzählt, die uns innerhalb von 45 min erreichen können. Das ist der Grund, warum sich Großbritannien am Krieg beteiligt hat und jetzt ist der Grund, dass er ein Diktator war. Es spielt keine Rolle, dass der Irak ein souveräner Staat war. Wir hatten kein Recht, dort reinzugehen, solange die UNO als Gemeinschaftsidentität nicht entschieden hatte, dass es notwendig sei. Was ist mit Nordkorea, dort gibt es einen Diktator, hungernde Menschen, Völkermord und vermutlich ein Nuklearprogramm ? Wenn die UNO zustimmt, bin ich absolut dafür, denn der Missbrauch von Menschenrechten ist schockierend. Der Grund, warum Großbritannien sich am Krieg beteiligt hat, war eine komplette Lüge. Darum geht es in dem Song und jetzt seht euch mal die Konsequenzen an ! Wir haben keine Ahnung, wie viele zehntausend Iraker während des Krieges umgekommen sind. Das Erschreckende ist, es ist auch ein religiöser Krieg. Die meisten Amerikaner kämpfen einen Kampf auf Grund ihrer religiösen Überzeugungen.
Also sind einige der Songs nicht einfach nur Lovesongs. Daher kommen meine Inspirationen für die Texte auf dem Album.

Also konzentrierst du dich mehr auf die Texte als auf die Musik ?

 

Na ja, manchmal singe ich eine Melodie, die mir in den Kopf kommt, in mein Handy und arbeite dann am Text weiter, anhand der Melodie, die ich habe.

 
Danke Jimmy für dieses ausführliche Interview...die Zukunft hat begonnen!