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"Home Again" ist der Name des
neuen Albums. Warum dieser Name und was bedeutet er ? |
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Hm, es dreht sich mehr um die Texte, letztendlich
sind es die Texte, die sagen, es ist egal wo du bist, was mit dir
passiert und was du tust. Es gibt ein Sprichwort bei uns: zu Hause ist,
wo das Herz ist – und für mich persönlich bedeutet es das wirklich – es
spielt keine Rolle, wo du lebst, in was für einem Haus, es geht mehr um
die Menschen, die du kennst, die du liebst und die dich lieben, also
glaube ich, das ist zu Hause, darum geht es gefühlsmäßig.
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Das neue Album vermittelt eher
eine Art "Club-Mix-Gefühl", du hast mit einer Menge internationaler DJ's
und Produzenten zusammengearbeitet. Versuchst du, dir mit diesem Album
neue Fans zu erarbeiten und was glaubst du, werden die älteren Fans dazu
sagen ? |
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In
dieser Richtung denke ich nie. Es scheint einfach so zu passieren aber
ich glaube, interessant an diesem Album sind einfach die Leute, mit
denen ich gearbeitet habe. Insbesondere beim Rolf Elmar Track "Selfish
Days". Das heißt, dass die Sachen, die ich danach machen werde, völlig
anders sein werden. Während wir an "Selfish Days" gearbeitet haben, ist
uns klar geworden, dass wir tatsächlich zusammen etwas schreiben
können, das ganz anders ist, kein Club.
Dann noch John Winfield, ein Freund von mir, wir arbeiten gerade an sehr
blues- und jazz-. orientierter Musik, es könnten also ganz andere, neue
Projekte am Horizont auftauchen. Der Prozess des Albums schien einfach
so zu passieren, der Sound, das Gefühl davon. Ich habe eine Menge DJ's
und Produzenten kennen gelernt. Ich weiß, dass sich das nächste Album
ganz anders anhören wird.
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In den meisten Songs des Albums
geht es um Liebe – sie entweder zu finden oder zu verlieren. Warum ?
Wenn man es mit dem letzten Album vergleich,t gab es da eine Menge
Songs, die alle möglichen Geschichten erzählt haben. Das Thema Liebe
scheint auf dem neuen Album wesentlich präsenter zu sein, ist es
autobiographisch ? |
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Es sind Lovesongs, irgendwie. Und auch wieder nicht,
jedenfalls keine persönlichen, nicht wirklich. Das ist ein bisschen
schwer zu erklären. Es sind nicht wirklich Songs über mich – bis auf
ein, zwei Ausnahmen, die in der Tat sehr persönlich sind. "It's So Good"
beispielsweise, der ist persönlich, aber in den anderen geht es mehr um
Liebesphantasien. Ein weiterer, sehr persönlicher Song ist der
Anti-Kriegs Song "What's Your Game". Ich glaube, augenblicklich sind die
Zeiten weltweit sehr schwer. Wir leben in unsicheren und beängstigenden
Zeiten, ich wollte die Liebeslieder als ein Art Zuflucht nutzen und
speziell für schwule Männer, wie ich ja auch einer bin, ist es gut etwas
zu haben, das von einem andern Standpunkt her betrachtet wird. Die Songs
kommen von einem Mann, der einen anderen Mann liebt und es würde mich
freuen, wenn diese Lieder den Männern, die sie sich anhören, etwas
geben.
Ich fühle wirklich, in welch unsicheren Zeiten wir leben und manchmal
ist Liebe die einzige Sache, die dich durch alle Probleme hindurch
sieht. Der letzte Song auf dem Album, "Stay", ist ein Lovesong aber es
geht mehr um Leidenschaft und Freundschaft und ich vermute, auch das ist
Liebe. Ich denke, sie erscheinen alle als persönliche Liebeslieder, aber
das sind sie nicht. Es geht mir mehr darum, die Liebe den Menschen
gegenüber auszudrücken, denen du nah bist und die du an deiner Seite
brauchst, das ist heutzutage wirklich wichtig.
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Warum hat sich das Erscheinen
des Albums in Deutschland verzögert ? |
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Ach, das ist wirklich langweilig und der übliche
Plattenfirmenkram – Plattenfirmenpolitik – und letztendlich nervt es,
das zu erklären, eben weil es so langweilig ist.
Am Ende hatte ich einen Vertrag und wie sehr ich dieses Album auch
machen wollte, und auf welche Art ich es machen wollte, es mussten
Kompromisse eingegangen werden und manchmal laufen Dinge einfach nicht
nach Plan, das ist der Grund.
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Wird es eine "Home Again"- Tour
in Deutschland geben ? |
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Ich hoffe es - und dann wird es keine reine "Home
Again"-Tour werden, sondern eine Zusammenstellung aller Dinge, die ich
jemals mit einer Band gemacht habe. Es ist großartig, dass ich genügend
Material aus der Vergangenheit habe, um ein 2 h Tour-Set zu ermöglichen,
ohne dass man einfach nur die Songs nimmt, die einmal Single waren. Es
gibt auch Lieder, die meine Geschichte von Anfang an repräsentieren. Ich
habe noch nie Sachen wie "Screaming" oder so live gespielt. Aber ich
spiele lieber solche Sachen als "Small Town Boy". Da nehme ich doch
lieber andere Tracks von den frühen Alben, damit die Leute sehen, wie
unterschiedlich diese Alben waren. Auf den Communards-Alben gab es
ziemlich viel Pop und Disco aber auch eine Menge Blues und Jazz wie z.B.
"Lover Man " und "Tumbling Down" – die Art Songs. Es gibt wirklich
unglaublich viele unterschiedliche Sachen auf den Alben.
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Warum hast du Depeche Mode
gecovert und was verbindet dich mit dem Song "But Not Tonight" ? |
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Es ist mehr der Melodie wegen. Klasse Song, war einer
ihrer B-Seiten, keine Single, also keiner der eher offensichtlichen
Songs, die man covert. Und der Text ist großartig. Ein sehr
leidenschaftlicher Lovesong. Es geht auch darum, wie zerbrechlich und
verletzbar man ist, wenn man liebt und als er diesen Song geschrieben
hat (M.L.G, sollte man dazu sagen – die Übers. ) schien er im lyrischen
Sinne mit den Elementen in Verbindung zu sein. Er ist draußen, es geht
um Mond und Sterne und all die Dinge dort draußen, an die er sich
wirklich wendet – ein sehr romantischer Song.
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Im Song "Amnesia" beschreibst du eine Beziehung,
in der du langsam vergiftet wirst – ist das autobiographisch ? |
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Es ist schon lustig, denn es geht um die längste
Beziehung, die ich jemals hatte. Eine Beziehung, die mein ganzes Leben
andauerte, also wirklich die stärkste und wahrscheinlich beständigste
und mächtigste Beziehung meines ganzen Lebens – und die hatte ich zum
Wodka !! In dem ganzen Song geht es nur um Wodka ! Wirklich ! Ein Song
über Wodka !!
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Für welchen Song des Albums hast du am längsten
gebraucht ? |
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Schwer zu sagen, weil ich in England lebe und die
Leute, mit denen ich gearbeitet habe in ganz anderen Orten in Europa.
Alle Songs haben eine Weile gebraucht, weil wir einander einzelne Teile
geschickt haben, sie uns angehört haben und dann wieder zurückgeschickt
haben. Ich musste oft nach Deutschland, um aufzunehmen, dann zurück nach
London und dann wieder nach Deutschland, um zu mixen. Alle Songs haben
also die gleiche Zeit gebraucht. Es war ein langer Prozess wegen der
Entfernungen, Aber im Einzelnen hat kein Song länger gedauert als die
anderen.
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Gibt es einen Song auf dem Album, den Du mehr
magst als die anderen ? |
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"Stay" ist der Song, den ich mehr als alle anderen
mag. Ein sehr keltisch klingender Song, wie ich finde. Er klingt sehr
gälisch, keltisch, schottisch – ein ganz einfaches Lied aber trotzdem
sehr leidenschaftlich. Und noch mal, es geht nicht um mich, nicht ich
spreche etwas dermaßen persönliches aus. Es geht nur darum, etwas erlebt
zu haben und die Zuhörer erleben es oder werden es noch erleben. Es ist
ein großartiger Song um die Energie und die Gefühle, die man hat, wenn
man wirklich liebt, zu übermitteln, weil es ein so unglaubliches Gefühl
ist.
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Du magst den Disco-Pop der 70er.
Hast du deshalb"Ain't No Mountain High Enough"
gecovert ? |
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Nicht wirklich. Es hat mehr mit den heutigen Zeiten
zu tun. Ich erinnerte mich an den Song aus Zeiten, in denen ich jünger
war. Die meisten Leute kennen die Version von Diana Ross, ich habe aber
die Version gecovert, die von Ashford & Simpson geschrieben wurde und
die nicht so viele kennen. Der Text ist auch anders. Ein sehr positiver
Text der Ermutigung, der Kraft gibt. Es geht mehr um unser heutiges
Leben, die Zeiten, in denen wir leben, die Ängste wie z.B. Terrorismus,
Regierungen, die reaktionärer werden. Das Leben jedes Einzelnen scheint
paranoid zu sein, also wollte ich diesen Song machen, weil ich den
Gedanken mag, dass, wenn man Freunde hat und Menschen, die man wirklich
liebt, was auch immer auf dich zukommt, diese Freundschaften dir Mut
geben, weiter zu machen – kein Berg ist hoch genug, kein Tal tief genug
usw. – für mich und eine Menge anderer Leute ist Liebe eine wichtige
Sache, so empfinde ich es.
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"Come On" lief nicht so gut in
Deutschland. Das schien weniger etwas mit dem Song an sich zu tun zu
haben, als vielmehr mit der Promotion, oder besser, mit dem Mangel an
Promotion. |
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Das ist schon komisch, weil die Radiostationen gesagt
haben, dass dieser Song nicht das war, was die Leute hören wollten, es
war nicht das, woran sie gewöhnt waren, wenn sie an meine Stimme
dachten, er war zu progressiv und nicht wirklich das, was die Leute
hören wollten. Komplizierte Sache. Leute beim Radio haben eine bestimmte
Vorstellung davon, wie jemand klingen sollte. Wenn sie es mögen, spielen
sie es, wenn nicht, haben sie kein Interesse. Es sollte den Hörern
überlassen sein, sie sollten entscheiden, ob es zu progressiv ist oder
was auch immer. Es sollte gespielt werden, aber das ist eine schwierige
Sache.
(redakt. Anmerkung: It's so Good , Come on & Ain't no mountain (high
enough) liefen mit Top 10 Platzierungen in den Dance- und Hörercharts)
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Also hing es mehr von den Leuten bei den
Radiosendern ab und weniger von den PR-Leuten der Plattenfirmen ? Warst
du zufrieden mit der Promotion ? |
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Nein, war ich nicht, denn es gab kein Video zur
Single. Das ist furchtbar. Wenn du kein Video hast, kannst du nicht auf
MTV oder VIVA gespielt werden und dann bekommst du keine Publicity.
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Was denkst Du über deine Plattenfirma, die kein
Video machen wollte ? |
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Ich denke, für die ist es eine Art Spiel, bei dem sie
natürlich kein Geld verlieren wollen. Wir werden sehen, was bei der
nächsten Single passiert.
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In Deutschland werden mehr CDs runtergeladen und
gebrannt als verkauft. Was hältst du von dieser Richtung des
Musikbusiness ? |
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Also, ich denke, das ist eine Übergangsperiode und
solange es bespielbare CDs gibt, werden die Leute das auch machen, wie
sie es mit Kassetten, Mini-Discs usw. gewöhnt waren. Das ist ja nichts
Neues. Nur dass jetzt auch Downloads aus dem Internet angeboten werden.
Es ist offensichtlich eine Übergangsperiode und die Plattenfirmen müssen
erkennen, dass sich die Zeiten ändern. Am deutlichsten kann man das bei
uns an "Top Of The Pops" erkennen, einer sehr beliebten Musiksendung,
die immer zur Prime-Time auf BBC1 lief. Sie ist jetzt umgezogen auf BBC2
um 18.30 h am Samstag, weil sie nicht mehr den Einfluss hat. Immer mehr
Leute hören Musik im Internet und holen sich ihre Musik dort her. Ich
kenne die Antwort nicht und weiß auch nicht, wie man damit umgehen soll.
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Zurück zum Album. Du hast viel
mit Felix Gauder gearbeitet. Könntest du dir vorstellen, zukünftig
wieder mit ihm zu arbeiten, vielleicht sogar eine ganze Platte zu machen
? |
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Ja, natürlich. Ich habe noch einige Songs, die ich mit
Felix gemacht habe und die sich von denen, die auf dem Album sind,
unterscheiden. Sie sind instrumental und ich werde weiter an ihnen
arbeiten, es sind ganz andere Sachen, als auf dem Album sind. Ich mag
die Arbeit mit Felix wirklich, es ist cool !
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Im Booklet schreibst du: Gott sei Dank bin ich
Atheist ! Warum das ? |
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Das war nur Spaß und ich bin Atheist - gleichzeitig
aber auch nicht. Das würde bedeuten, ich glaube nicht an Gott, aber ich
akzeptiere ihn. Ich toleriere keinerlei Religion, besonders keine
etablierte wie das Christentum. Ich habe das geschrieben, weil momentan
jeder (Künstler) Gott für den Erfolg dankt. Sie sagen, wenn Gott nicht
wäre, hätte ich nicht diese wundervolle Stimme. Früher haben das nur
schwarze Künstler getan aber heute tun es die weißen auch. Ich habe
kürzlich ein Interview mit Mary G. Blige gelesen. Jemand fragte sie nach
ihren Schönheitstipps und sie sagte: "Mein Schönheitstipp ist Jesus."
Ich hab mich gefragt, was zum Teufel sie da macht, sich Jesus übers
Gesicht rubbeln ? Das fasst man nicht! Mit dem "Thank God I'm an
Atheist" wollte ich mir nur einen Spaß mit diesem Gott-danken Ding
machen.
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Ein ehemaliger Bandkollege von
dir, Richard Coles (Communards) will Priester werden. Wie denkst du
darüber ? |
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Ja, er hat gerade seinen Theologieabschluss gemacht und wird
Römisch-Katholischer Priester. Dort ist er in seinem Leben angekommen
und wenn es das ist, was er tun will, dann sollte er das auch tun. Es
ist schon bizarr und merkwürdig und wenn ich darüber nachdenke, muss ich
lachen.
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Bei diesem Album hast du mit
verschiedenen Produzenten zusammen gearbeitet. "Manage The Damage" oder
"Dare To Love" – was war anders an der Arbeit dieses Mal ? |
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Tja, es ist schon eine großartige Sache mit all
diesen Kollaborationen. Es endet nicht so persönlich, aber das ist mir
auch nicht so wichtig. Ich habe keine Angst, wenn ungewollte Dinge mit
dem Album passieren, weil es keine selbstbeobachtende Platte ist. Es
geht nicht unbedingt um mich. Die Lieder handeln davon, wie ich denke
und fühle, sind aber nicht zu persönlich, besonders die Lovesongs nicht.
Es sind eben keine Liebeslieder über mich. Das ist schon gut, wie auch
das ganze Projekt eine ziemlich gute Erfahrung war. Ich weiß wirklich
nicht, ob ich so was noch mal machen würde. Vielleicht, ich bin nicht
sicher, hängt davon ab.
Es war deshalb eine gute Erfahrung, weil ich so etwas noch nie zuvor
gemacht habe.
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Kannst du dich noch mit dem Album
identifizieren? |
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Natürlich, letztendlich sind es meine Texte und meine
Stimme. Ich habe Sachen gesungen, die in meinem Kopf waren. Zwei oder
drei Songs stammen von anderen aber die meisten Texte sind von mir. Ich
habe kein Problem damit, einfach zu singen und selber das Instrument zu
sein. Es tut gut, nicht dieser gequälte Künstler zu sein, bei dem alles
aus dem Inneren kommen muss. Es ist auch gut, einfach Songs zu singen,
die der Vorstellung von jemand anderem entsprungen sind. Das ist cool.
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Jake Shear von den "Scissor Sisters" hat mal in
einem Interview gesagt: "Gott schütze Jimmy Somerville weil er mir durch
mein Coming Out geholfen hat."
Würdest Du sagen, dass deine Musik noch immer junge schwule Männer
beeinflusst ? |
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Zum einen wusste ich nicht, dass er das gesagt hat.
Zum anderen, wenn sie meine Musik hören, kann sie von Einfluss sein.
Songs wie "Small Town Boy", "Why" und "Screaming" verbinden Menschen,
die mit ihrer Sexualität hadern. Diese Lieder sind sehr speziell und
sehr ehrlich und sie drehen sich genau um diese Gefühle. Ich glaube,
dass sie helfen. Ich bekomme noch immer Briefe von Menschen und Mails
oder Nachrichten auf meine Website von Leuten, die noch heute von den
Songs inspiriert werden. Leute kommunizieren sogar auf der Website
miteinander. "Age Of Consent" ist ein solch altes Album, aber es gibt
den Leuten immer noch etwas.
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Die Songs auf dem neuen Album sind "Mann-liebt-Mann"
Songs, aber nicht so offensichtlich ? |
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Ich denke nicht mehr so radikal in meinen Songs, weil
meine Sexualität ein Teil meines täglichen Lebens ist, zu sein, wie ich
bin. Ich denke nicht mehr darüber nach. Es ist wie Zähne putzen. Teil
meiner täglichen Routine, also denke ich nicht wirklich darüber nach.
Ich bin kein junger Mann mehr, der mit seiner Sexualität hadert, sie ist
einfach ein Teil meines gesamten Lebens.
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Du bist nach Brighton gezogen und das ist die
schwule Hauptstadt Großbritanniens. |
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Das ist ein echter Mythos. Er ist verbreitet worden und das ziemlich
gut. In Wirklichkeit ist es ein Ort, an den alte Schwule zum Sterben
gehen.
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Du hast mal gesagt, du willst dich nicht
mit zu vielen Schwulen umgeben und jetzt bist du dorthin gezogen. Hast
du deine Meinung geändert ? |
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Es ist keine große Stadt. Es gibt eine kleine schwule
Szene und einen kleinen schwulen Bezirk, aber dort lebe ich nicht. Ich
bewege mich nicht allzu oft in der schwulen Szene und das habe ich in
London auch nicht getan. Ich gehe nicht so oft aus, Brighton ist eine
kleine Stadt und schwule Männer fallen dort mehr auf. Ich bin kein Teil
eines Ghettos oder einer Gemeinde. Ich bin gern am Meer und weg von
London.
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Vermisst du London ? |
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Nein, denn ich habe dort immer noch eine Wohnung und
auch Dinge zu tun. Ich werde immer diese Verbindung zu London haben und
hin und her pendeln. London ist Teil meines Wesens, London hat mich
geschaffen, es ist ein sehr großer Bestandteil meines Lebens und wird es
immer sein.
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Wie schreibt Jimmy Sommerville einen Song? Kommt
zuerst der Text oder zuerst die Musik? Wie machst du das ? |
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Es kann beides sein. Beispielsweise "Selfish Day",
ein Track den ich mit Rolf Elmer von "Jam & Spoon" geschrieben habe.
Dieser Mann kommt vom Hardcore Techno/Dance aber mit ihm habe ich den
sanftesten und klassischsten Titel auf dem Album aufgenommen, ein Song,
der sehr an die "Communards" erinnert, ein Titel, den ich auch mit
Richard aufgenommen haben könnte. Ein sehr klassischer Einfluss, sehr
sanft und balladesk. Von Rolf hatte ich etwas völlig anderes erwartet.
Das ist also ein Beispiel dafür, dass der Prozess des songwriting
irgendwo enden kann.
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Ist "Selfish Day" ein politischer Song ? |
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Das Lied wurde von meiner Beobachtung der
Gesellschaft im Allgemeinen beeinflusst und davon, was ich in den
Zeitungen lese. "Selfish Day" ist ein Lied über einen Mann und eine Frau
– sie waren Teil der Gesellschaft und führten ein bequemes, luxuriöses
Leben. Dann passiert plötzlich etwas mit ihnen. Sie sind nicht länger
die, die sie waren und befinden sich auf einmal in einer sehr
verletzlichen Situation und in einer Situation, in der sich niemand mehr
darum kümmert, was mit ihnen passiert. Das macht mich wütend, denn ich
sehe, dass so was überall passiert, mehr und mehr. Ich denke, das ist
eine der kriminellsten Handlungsweisen, der wir uns schuldig machen
können. Vor allem für unsere Jugend, dieses Gefühl der Verletzbarkeit,
das Gefühl innerhalb der Gesellschaft zu verschwinden. Sie leben auf der
Straße, ohne Arbeit, ohne Geld, ohne zu Hause und plötzlich ist ihr
Leben zu Ende, bevor es angefangen hat.
Ein anderer Song, "What's Your Game", ist durch und durch ein
Anti-Kriegs Lied. Und an unseren Premierminister Tony Blair gerichtet.
Ein großer Prozentsatz unserer Bevölkerung glaubt, dass man uns über die
Gründe, in den Krieg zu ziehen, angelogen hat. Man hat uns von
Massenvernichtungswaffen erzählt, die uns innerhalb von 45 min erreichen
können.
Das ist der Grund, warum sich Großbritannien am Krieg beteiligt
hat und jetzt ist der Grund, dass er ein Diktator war. Es spielt keine
Rolle, dass der Irak ein souveräner Staat war. Wir hatten kein Recht,
dort reinzugehen, solange die UNO als Gemeinschaftsidentität nicht
entschieden hatte, dass es notwendig sei. Was ist mit Nordkorea, dort
gibt es einen Diktator, hungernde Menschen, Völkermord und vermutlich
ein Nuklearprogramm ? Wenn die UNO zustimmt, bin ich absolut dafür, denn
der Missbrauch von Menschenrechten ist schockierend. Der Grund, warum
Großbritannien sich am Krieg beteiligt hat, war eine komplette Lüge.
Darum geht es in dem Song und jetzt seht euch mal die Konsequenzen an !
Wir haben keine Ahnung, wie viele zehntausend Iraker während des Krieges
umgekommen sind. Das Erschreckende ist, es ist auch ein religiöser
Krieg. Die meisten Amerikaner kämpfen einen Kampf auf Grund ihrer
religiösen Überzeugungen.
Also sind einige der Songs nicht einfach nur Lovesongs. Daher kommen
meine Inspirationen für die Texte auf dem Album.
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Also konzentrierst du dich mehr auf die Texte
als auf die Musik ? |
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Na ja, manchmal singe ich eine Melodie, die mir in
den Kopf kommt, in mein Handy und arbeite dann am Text weiter, anhand
der Melodie, die ich habe.
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Danke Jimmy für dieses ausführliche Interview...die Zukunft hat
begonnen! |
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