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Nach dem Verlassen von Bronski Beat im Frühjahr 1985 gründete Jimmy
Somerville (geb. am 22. Juni 1961 in Glasgow, Schottland) gemeinsam mit dem
klassisch ausgebildeten Pianisten Richard Coles (geb. am 23. Juni 1962 in
Northampton, England) The Committee. Aber andere Gruppen erhoben Anspruch
auf diesen Namen, so wurden sie The Communards. Der Name ist von der Pariser
Kommune aus dem 19. Jahrhundert abgeleitet.
Ihre Debüt-Single "You Are My World" erreichte die Top 30 in Großbritannien.
Der Nachfolger "Disenchated" war ein weiterer kleiner Hit. Das Duo entschied
sich, die Band mit wechselnden Musiker zu erweitern. Unterdessen stieg ihr
selbst betiteltes Debüt-Album auf Platz 2 in Großbritannien. Im September
1986 erreichte die Band Platz 1 mit einer Neuaufnahme des Klassikers von
Harold Melvins "Don´t Leave Me This Way". Das Lied war unvergesslich durch
das Gesangsspiel zwischen dem Falsett von Somerville und der tiefen Stimme
von Gastsängerin Sarah Jane Morris. Ihre große Präsenz hat viel beigetragen
zum Live-Erlebnis der Gruppe, vor allem beim Tanzen neben dem kleinen Jimmy
Somerville.
Ein weitere UK-Top-10-Hit folgte mit "So Cold The Night". Nach einer
ausführlichen Tournee veröffentlichte die Gruppe ihr zweites Album "RED",
von Stephen Hague produziert.
Eine Reihe von Singles folgten aus dem Album, darunter "Tomorrow", ihre
Antwort auf Gewalt gegen Frauen. Dieser erreichte Platz 23.
Die Band kehrte in die Top 5 zurück mit der Cover-Version des Gloria Gaynor
Songs "Never Can Say Goodbye". 1988 folgten zwei weitere UK-Hits mit "For A
Friend" und "There´s More To Love". Mit ihrer Mischung aus Disco-Klassikern
und Falsett-Pop, trafen The Communards den Nerv der Zeit Mitte und Ende der
80er Jahre. Es sah so aus, als könnten weitere Erfolge im neuen Jahrzehnt
folgen.
Wie bei Bronski Beat hat Somerville seine Probleme mit der britischen
Musikszene. Darauf hin startete er seine Solo-Karriere und erzielte wieder
Erfolge mit der Cover-Version von Sylvesters "You Make Me Feel (Mighty
Real)" und "Read My Lips", bevor er nach San Francisco umzog.
Der Town & Country Club
ist mit 3000 Fans restlos ausverkauft. Die Konzertstätte, die früher mal als Lagerhalle
diente, liegt im Osten Londons, einer Gegend, die geprägt ist von hoher Arbeitslosigkeit
und Rassenkonflikten. Jimmy Somerville und Richard Coles haben diesen Ort ganz bewußt
für den Abschluss ihrer Europatour genutzt. "Die Menschen verzweifeln hier in ihrem
Alltag", meint Jimmy. "Dieses Konzert ist ein Geschenk an alle, die unter
der Politik unserer Regierung leiden." Starke Worte von einem kleinen Mann mit
einer großen Stimme! In ihren Texten nehmen die Communards kein Blatt vor dem Mund,
singen über Armut, AIDS und Arbeitslosigkeit. Ihr Album RED dreht sich fast
ausschließlich um AIDS, beschreibt wie die tödliche Krankheit Liebe und Vertrauen
zerstören kann. Mark Ashton, einem Freund von Jimmy und Richard widmeten sie ihren Hit
"For A Friend". Die Hälfte der Einnahmen kam einem AIDS Forschungsinstitut in
London zu gute. Das sieben der acht Musiker Frauen sind, hat einen besonderen Grund.
"Für Musikerinnen ist es besonders schwer, sich in diesem Männergeschäft
durchzusetzen", meint Richard Coles. "Außerdem gehören die Sieben mit zu den
besten Studiomusikern in ganz England!" Und dass sie bei June Miles-Kingston
(Schlagzeug), Caroline Buckley (Gesang), dem Streichquartett Jocelyn Pook, Sonja Slany,
Sally Herbert, Audrey Riley und der Saxophonistin Jo Pretzel eine gute Wahl getroffen zu
haben, beweist die fast zweistündige Show. Bei Tanzknallern wie "Disenchanted"
und "You Are My World" tanzten die Fans auf den Stühlen. Und Schlagzeugerin
June bekommt für ihr perfekt getimten Schlagzeug- Soli Sonderapplaus. Jimmy lächelt ins
Publikum, zwinkert schelmisch Richard zu und wackelt mit den Hüften. Seine kräftige
Falsettstimme füllt die ganze Halle aus. Außer der vier glutroten Säulen ist die
Kulisse betont schlicht. Ohne großen Aufwand bringen die Communards Soul-Sound pur. Mal
melancholisch verträumt mit zuckersüßen Streichern "Breatline Britan" dann
wieder fetzig und funkig bei "Theres More To Love" bei dem Jo Pretzel mit
einer butterweichen Saxophoneinlage das Publikum zum kochen bringt. In typisch
schottische Akzent sagt Jimmy den Song "Tomorrow" an. " Dieses Stück
widmen wir allen Frauen, die von ihren Männern misshandelt werden und keine Hilfe
erwarten können. denn viel zu oft ist das Recht auf der Seite der Männer..."
Mit geschlossenen Augen steht
Jimmy am Bühnenrand und singt den Song voller Leidenschaft, während Tausende von
Wunderkerzen die dunkle Halle
verzaubern. Gefühlvoller Höhepunkt der Show: Bei "For
A Friend", das Jimmy im Andenken an Mark Ashton schrieb, steht er allein im
gleißenden Scheinwerferlicht; nur das Streicherquartett und Sängerin Caroline Buckley
mit ihrer tiefen Stimme begleiten ihn. Absolute Stille herrscht in der Halle als Jimmy
mitten im Song sein Gesicht in den Händen vergräbt und kurz die Bühne verlässt. Für
"Never Can Say Goodbye" kommt er noch einmal zurück. Nach einem fast
zehnminütigen Medley alter ABBA- und Temptation-Hits fällt endgültig der rote Vorhang.
Aber auch diese Projekt hielt nicht lange. Jimmy erinnert sich amüsiert und
leicht beschämt über sein zunehmend schlechtes Benehmen... "Es war während
der letzten Communards Tour in
Madrid, wir hatten wieder mal einen Streit in einem Hotel, offensichtlich kennen mich die
Leute besser als Richard. Die Leute vom Hotel dachten, dieser eine Kerl (Richard) würde
mich belästigen also haben sie ihn rausgeschmissen und ich sagte statt `es ist alles in
Ordnung, ich kenne ihn´, - ja bringt ihn raus. Und sie haben ihn aus dem Hotel
geschmissen. Richard hat tagelang nicht mehr mit mir gesprochen, das ganze war aber
wirklich gemein von mir."In der Zwischenzeit lebt Jimmy ein recht idyllisches Leben.
"Ich kann draußen sitzen in der Sonne, frühstücken und auf die Berge schauen. Hier
gibt es Kolibris und Enten, die wir füttern können. Hier gibt es auch eine Robbe, die
manchmal in die Bucht kommt. Neulich hab´ ich versucht, sie zu füttern - mit
Fischstäbchen - ich hab die Fischstäbchen in heißes Wasser getan um die Kruste
abzulösen, es war eine Katastrophe! Erstens weil die Fischstäbchen meinem Mitbewohner
gehörten, der war natürlich sauer weil ich sein Essen an eine Robbe verfüttert habe,
zweitens weil es sowieso nicht funktionierte, es kamen zu viele Möwen."
Communards Tour 1986
Im April 85 schloss sich der ex-Bronski-Beat-Sänger Jimmy Somerville
mit seinem alten Freund, Keyboarder und Saxophonspieler Richard Coles, zum neuen Duo
Communards, benannt nach den französischen Revolutionären von 1871, zusammen. Von ihrem
ersten Auftritt in Paris an, setzten sie sich gegen Apartheid und gegen die
Diskriminierung Homosexueller ein. Ihre erste Single "You Are My World" wird
wegen ihres kritischen Inhalts vom Radio boykottiert und floppte deswegen. Im Verlaufe
dieser Tour landeten sie mir "Don´t Leave Me This Way" einen Nummer Eins Hit in
UK, der ihnen auch zum Durchbruch in ganz Europa verhalf. Für Richard ist, wie er sagte,
das Touren ein entscheidender Bestandteil der Bandarbeit. Live aufzutreten ist völlig
anders als die Arbeit im Studio. Erst bei den Live-Shows beginnen die Lieder zu leben,
ganz anders als auf der Platte. Neben den Hits aus dem ersten Album spielten Communards auch "Sentimental
Journey" und "Never No More", die als B-Seiten ausgekoppelt wurden. Sie
bewiesen mit ihrer ersten Tour, dass sie das Niveau des Albums Live überzeugend umsetzen
können. Es wurden bewusst auf Showeffekte und aufwändige Bühnenbilder verzichtet. Die
Musik, getragen von Jimmys Stimme, stand im Mittelpunkt. Aber auch die Duette mit Sarah
Jane Morris wie "Lover Man" und "Don´t Leave Me This Way" wurden vom
Publikum begeistert aufgenommen. Dass die erste Communards-Tour ein großer Erfolg war,
zeigte auch die Tatsache das alle 3 Londonkonzerte ausverkauft waren.
Komplette Communards-Crew Tour
´86
von links oben :
June Miles-Kingston/ Chris Lambourne/ Steve Thorneycroft/ Sarah Jane
Morris/ Dave Renwick/
Jo Pretzel/ Sally Herbert/ Alan Cranston/ Phil Tame/ Jimmy
Somerville/ Ann Stephanson&
Pete/ Joss Pook/ Audrey Riley/ John Dines/ Steve Cheney/
Richard Coles/ Paul Stookes
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