|
„Jimmy auf dem Sachsenring“ am 17. Juli 2004
Hochtouriger Motorenlärm und entgegentorkelnde
sonnenverbrannte „Bikerfreaks“ verraten uns den Weg zum
Veranstaltungsgelände im sächsischen Hohenstein-Ernstthal. Die
Samstags-Vorläufe zum Motorrad Grand Prix Deutschland sind bereits vorbei,
als wir die zum Eventcenter umfunktionierte Karthalle erreichen.
Hardrockklänge a`la AC/DC schlagen uns entgegen, während auf der Bühne die
einzelnen Fahrergrößen von dem für diesen Sound typischen Publikum umjubelt
werden ... wir ziehen uns ins Freie zurück, verfolgen das Ganze auf einer
Videoleinwand und schauen uns fragend an: „Was haben wir hier bloß
verloren?“
Gegen 20.30 Uhr ist das Spektakel vorbei und unser Philosophieren über die
Frage: „Wie kann man bloß Jimmy für eine solche Veranstaltung buchen“
scheint sich zu bestätigen, als wir kurz vor Neun in die plötzlich
menschenleere Halle treten .... Aber wir sind nicht die Einzigen, die dieses
ungute Gefühl haben (verrät uns Jimmy nach dem Konzert, der zur selben Zeit
backstage eintrifft) .... Und wem sollen wir hier unsere Flyer verteilen?
Die unerträgliche Stille wird von 80er Jahre Musik erlöst. Ein DJ legt auf
und die anklingenden „I feel love“ - Baßbeats scheinen Wunder zu wirken ....
Leute strömen in die Halle und ich krame einen Stapel Flyer aus meinem
Rucksack. Ein Zweimetertyp im Lederoutfit spricht mich an, wann endlich
Jimmy auftritt und dass er ihn noch nie live gesehen habe und man ihn selbst
früher immer „Bronski“ genannt hat ....
21.15 Uhr. Lautes Pfeifen und „Jimmy“-Rufe. Ich schaue mich um. Kein freier
Platz mehr bis weit hinter das Technikpodium und auch das Publikum scheint
völlig ausgewechselt ... die typische 80/90er-Jahre Musikgeneration
dominiert und fordert Jimmy auf die Bühne. Es wird unerträglich heiß in der
Halle.
Endlich „You make me feel“ schallt es in gewohnt langsamer Weise aus den
Boxen und noch scheint sich Jimmy im dichten Bühnennebel zu verstecken ...
doch das Publikum tobt vom ersten Takt an. „Why“ hinterher und auch jetzt
ist Jimmy klar, was hier abgeht ... kurze Verständigung zwischen Jimmy und
Gunther ... ich ahne es: „Plan B“.
„So come on“ kündigt Jimmy als neuen Song anschließend an. Den vielleicht
3.000 Zuschauern gefällt`s. Obgleich noch nie gehört, es wird mitgeklatscht,
getanzt ....
„Don`t
leave me this way“, „To love somebody“ und „Could it be love“… die Halle
kocht, Jimmy schwitzt mehr denn je … aber er scheint`s nicht mal zu merken,
er lacht, scherzt .... „Alles klar?“ fragt er in die Runde, die ihm
lauthals selbiges zurückschmettert. Nein, so gut drauf hab ich ihn lange
nicht mehr erlebt; ... ein neuer Becher Cola/Wodka und Jimmy kündigt einen
längeren Song an. Aha denke ich, also doch „Plan B“ .... und schon hämmert
„I feel love“ los. Jimmy gibt alles und dürfte die sich nach draußen
zurückgezogene Rockergilde mit seinem „Highway to Hell“ - Zwischenspiel zum
Aufhorchen gebracht haben ....
... ein kurzes „tschüß“.... Die drei sind noch nicht von der Bühne
verschwunden ... schon ertönen lautstarke „Zugabe“ - Rufe. Nein, er lässt
sich dieses Mal nicht lange bitten. „Cry boy cry“ schluchzt es von der Bühne
und da stand er plötzlich wieder neben mir – der „Zweimeter-Bronski“. In die
erste Reihe gekämpft, um sein Jugendidol einmal hautnah zu erleben.
Mit „Never can say goodbye“ verabschieden sich Jimmy, Matthew und Gillian
und wieder leert sich die Halle fast vollständig, um mit der Revival Band „Merqury“
den Queen Fans Platz zu machen.
Unsere anfänglichen argen Bedenken ... zerplatzt in einer großartigen,
ausgelassenen Stimmung, die auch auf Jimmy übergesprungen ist ... oder
besser gesagt, die sich zwischen Bühne und Publikum hin- und hergesteigert
hat. Super Jimmy! Klasse Sachsen! |