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SWR1 Boat On The River, Germany, Koblenz 12. July 2009

SWR 1 Boat on the River
„I `ve never been on a boat on the
Rhein.“ Mit diesen Worten beginnt Jimmy sein Sonntagabendprogramm.
Aber auch für uns war es eine ganz neue Erfahrung, im Inneren eines Schiffes
flotte Partyatmosphäre zu erleben, während draußen beschaulich Städtchen
und Schlösser im Zeitlupentempo vorbeiziehen. Beides scheint eigentlich
nicht zusammen zu passen – aber vielleicht war es gerade diese Mischung, die
ca. 900 Leute aller Altersgruppen und selbst uns aus dem 450 Kilometer
entfernten Leipzig nach Koblenz zog.
Aber der Reihe nach. - 18.00 Uhr, wir erreichen nach
knapp fünfstündiger Fahrt den KD-Anleger am Rheinufer. Als wir unsere
Tickets abholen, werden wir Zeuge, wie zufällig vorbeipromenierende Senioren
zu einer „Rheinfahrt mit Tanzveranstaltung und gastronomischer Betreuung“ an
Bord des mit SWR 1 Logos gelb beflaggten Schiffes gelockt werden. Wir
schmunzeln und stellen uns vor, wie wir wohl in 20 Jahren zu
Jimmys-Auftritten anreisen. Schnell noch einen Abstecher zum Deutschen Eck
und in die Altstadt. Kurz vorm Ablegen um 20.00 Uhr gehen wir an Bord.
Wir treffen Marge und Nathalie aus Frankreich und
verziehen uns aufs Sonnendeck – was seinem Namen an diesem Abend alle Ehre
macht. Und während jetzt wohl auch der Letzten klar wird, dass das Schiff
während der Veranstaltung tatsächlich fährt, höre ich mir noch an wie
praktisch dies sei, da so keiner vorzeitig von Bord käme. Zum Glück
entdecke ich steuerbords Iwi, den ich auch nach -zig Jahren sofort wieder
erkenne. Ich erfahre, dass Jimmy der erste Gig des Abends sein wird. Wir
gehen unter Deck. Das Schiffsinnere hat fast „Clubcharakter“ und erinnert
mich mit den umlaufenden Emporen ein wenig an den Frankfurter „Südbahnhof“.
Dabei fällt mir ein, dass wir genau dort Iwi das letzte Mal getroffen haben.
Über 6 Jahre und 2 Jimmy-CD’s ist das schon her. Ich habe keine Zeit, über
vergangene Erlebnisse nachzusinnen – denn das „warm up“ eines in Leder
gepressten Radiomoderators und zweier im Liedgut der 70er Jahre nicht
übermäßig textsicherer Kandidaten geht mit einem „Das war Spitze“ zu Ende
und Jimmy wird angekündigt.
Wir stehen direkt vor der Bühne und stellen unsere
Getränke hinter Matthews Monitor ab. Keine Absperrung, keine Security,
genug Platz zum Tanzen. Letzteren brauchen wir auch, denn kaum ist Jimmys
höchstes „reeaal“ aus dem „You make me feel“- Intro verhallt, werden die
monotonen Schiffsdiesel von kraftvollen Bassrhythmen abgelöst und die
Planken verwandeln sich innerhalb von Sekunden in eine ausgelassene 80er
Jahre Partyzone. Die Titelauswahl entspricht der von Berlin, so dass auch
Raum zum „Mitschunkeln“ und einfach zum Zuhören bleibt. Besonders
emotional für mich ist es Jimmy bei „For a Friend“ aus der Nähe zu sehen;
ich spüre seine persönlichen Empfindungen und Erinnerungen, die in diesem
Song stecken und auch noch nach den vielen Jahren hochzukommen scheinen.
Zwischen zwei Titeln fragt Jimmy plötzlich ins Publikum
wer sich denn den Namen „Iwi“ ausgedacht hat und hält gleichzeitig Ausschau
nach dem Inhaber selbigen. Kaum hat er ihn entdeckt, versucht Jimmy noch
dessen englischsprachige Bedeutung zu erläutern, was er wohl sehr lustig
findet (ich hab es leider nicht ganz verstanden)…
Während der Kahn weiter langsam stromaufwärts Richtung
Loreley steuert, verabschiedet sich Jimmy mit „Don’t leave me this way“ –
aber das Publikum fordert eine Zugabe. Die Drei sind schnell an den Mikros
zurück. Etwas sehr Deutsches wird schmunzelnd und mit der Hoffnung, dass
es vielleicht gefallen könne, angekündigt und aus dem Berliner
Konzertbericht ahne ich, was jetzt kommt.
Tatsächlich - schon nach den ersten Akkorden hätte wohl
auch die sagenhafte Dame auf ihrem Felsen das Singen und Kämmen ihres
blonden Haares erschrocken unterbrochen - der unverwechselbare „Bohlensound“
schallt für alle erkennbar aus den Boxen. Vereinzelte Pfiffe verstummen
genauso schnell wie Jimmys neuer Backgroundchor im Publikum einstimmt – „Your
my heart, your my soul“ – zu bekannt ist dieses Lied, dass kaum einer
umhinkommt mitzusingen. Artig und kaum Anders als das Original – ohne
großen gesanglichen Aufwand bringt Jimmy den Song zu Ende. Das Publikum
scheint befriedigt und auch wir ziehen uns mit der letzten Abendsonne aufs
Oberdeck zurück.
Während sich Jimmys französische Fans fortan auf eine
Gelegenheit zum Entern des Vorderschiffes konzentrieren, erbeuten wir noch
eine der letzten Bratwürste und lassen uns von „Kleinen brennenden
Taschenlampen“ und einem unterm „Sternenhimmel“ „ in Seenot geratenen
Tretboot“ in unsere ganz frühe Jugendzeit zurückversetzen.
Die NDW-Show ist noch nicht ganz beendet, als das
Schiff gegen 23.00Uhr in Koblenz anlegt. Jetzt noch einmal quer durchs Land
und gegen 4.00 Uhr morgens geht ein zwar teilweise anstrengender aber sehr
gelungener Sonntagsausflug und endlich eine über 2-jährige Jimmy-Abstinenz
für uns zu Ende.

Jens & Nadine |